“Cuarteto Rotterdam: Yunta de Oro”

Willem Lammerink
La Cadena, November 2007


"Fabelhafte klassische Tangos sind nicht umsonst fabelhafte klassische Tangos, also müssen wir sie (wieder) spielen." Etwas Ähnliches müssen die Mitglieder des Cuarteto Rotterdam gedacht haben, als sie mit den Aufnahmen von Yunta de Oro anfingen. Das Goldene Joch, das jeder Tangomusiker trägt, ist das bleischwere Erbe der Musik aus den dreißiger und vierziger Jahren: Melodien, die 'jeder' kennt und aus denen man als Musiker doch immer wieder etwas Neues und Spannendes machen muss. Cuarteto Rotterdam wagt einen mutigen und überwiegend gut gelungenen Versuch.

Die vollen Arrangements klingen, als ob viel mehr als vier Musiker die Stücke spielen würden. Es geschieht viel und auch wenn man sich die CD verschiedene Male angehört hat, entdeckt man immer wieder neue Sachen. Insbesondere die sperrigen Klavierpartien von Judy Ruks und die auffälligen Basspartien von Frances Dorling (und die hervorragende - deutsche - Produktion) tragen dazu bei. Zugleich klingt die Musik locker und spontan, als wäre alles in einer Mußestunde in einem Take aufgenommen. Das gilt vor allem für die Uptempostücke und für die älteren Tangos wie Desde el Alma, Bordoneo Y 900 und Canaro en París, bei dem der berühmte Lauf am Ende sehr komplex ausgeführt wird. Andere Klassiker hält man vor allem klassisch. Bahía Blanca und Morena werden gediegen ausgeführt, tragen jedoch nicht viel zu den berühmten, alten Versionen bei. Das modernere Escualo gewinnt viel durch den Makeover von DJ Eniless (auch wenn es auch in dieser Version ein kitschiges Stück bleibt).

Trotzdem ist es nicht alles Gold, was auf dieser CD glänzt. Der Tango Nuevo, den Cuarteto Rotterdam ausführt, unterbricht den Durchfluss der CD und vor allem Piazzollas Tristezas de un Doble A quält sich 10.28 scheinbar endlose Minuten fort, wie ein friesischer Bauer durch den knietiefen Lehmboden.

Aber gut, für solche Stücke gibt es eine Sprungtaste auf dem CD-Spieler. Cuarteto Rotterdam zeigt, dass mit der schweren Bürde der Vergangenheit auch in unserer Zeit noch viel Innovatives gemacht werden kann.