“Tango in der Nikolaikirche”

Rotraud Wieland
Märkische Allgemeine, 11.08.2009


Die Brandenburgischen Sommerkonzerte gastieren erstmals in Oranienburg „Der Tango ist als Tanz das Schönste, was es gibt. Man muss ihn mit Kraft angehen und mit viel Zärtlichkeit.“ Diesen Ausspruch zitierte Kreis-Kantorin Elisabeth Brunnemann-Rademacher einleitend zum „Tango im Blütenmeer“. Es war eine Veranstaltung der Brandenburgischen Sommerkonzerte. Erstmals wurde Oranienburg als Spielstätte in diese Reihe integriert, und die Nicolaikirche war am Sonntag so voll wie sonst nur zu Weihnachten. Mit dem Auftritt des Cuarteto Rotterdam wurde einmal mehr die Verbindung in die Niederlande geknüpft, der Heimat von Kurfürstin Louise Henriette.

Ob die Mauern der Oranienburger Nicolaikirche je einen solchen Ansturm von musikalischer Kraft und Zärtlichkeit, Leidenschaft und Melancholie umfassten? Hoch loderten die Flammen eines Klang-Feuerwerks, das sich aus Virtuosität, raffinierten Arrangements, aus Expressivität genauso wie aus romantisch-einfühlsamer Interpretation speiste. Die etwa 600 Besucher, die zeitweise den Atem anzuhalten schienen, und die sich am Schluss des Konzertes mit Bravo-Rufen Luft machten, erlebten den Tango in mitreißender, künstlerisch anspruchsvoller und ausdrucksstarker Form. Und sie erlebten ihn im Wechsel von Tanz- und konzertantem Stil. Dabei hat es dieser sinnlichste aller Tänze von der Straßen- und Bordellmusik im Argentinien des ausgehenden 19. Jahrhunderts auf die Podien der Konzertsäle geschafft. Das ist der Verdienst von Astor Piazzolla und seinem „Tango Nuevo“, der am Sonntag nicht fehlen durfte. Cuarteto Rotterdam nennt sich das weltweit aufspielende Quartett, das 2004 von Studenten der Rotterdam Academy for World Music gegründet wurde. Von großer Hingabe zeugte die Interpretation von Judy Ruks, der einzigen Niederländerin im Ensemble. Sie lebte ihre Liebe zum Tango am Klavier aus, mit atemberaubenden Läufen und mühsam gebremstem Temperament. „Wundervoll“, „großartig“ und „grandios“ schwärmten die Besucher nach dem Konzertnachmittag.

Das Konzert in der Nicolaikirche war eingebettet in ein gemeinsames Kaffeetrinken, eine Führung durch Schlossmuseum und Altstadt sowie eine Lesung des ehemaligen Pfarrers der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, in der Orangerie.